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Portugiesenviertel: Mittagstisch zwischen Michel und Hafen
Zwischen Michel und Landungsbrücken liegt eine Straße, in der mittags mehr Portugiesisch gesprochen wird als Deutsch. Die Ditmar-Koel-Straße und die Querstraßen dahinter sind seit den 1970er Jahren das Portugiesenviertel: Seeleute und Gastarbeiter aus Portugal und Spanien blieben in Hafennähe, eröffneten Cafés, und aus den Cafés wurden Restaurants. Heute stehen hier Dutzende davon Tür an Tür, und die meisten haben unter der Woche einen Mittagstisch, der günstiger ist, als die Lage vermuten lässt.
Warum das Viertel mittags funktioniert
Drei Gründe, die zusammen selten sind.
Fisch vom Grill ist Alltagsküche, kein Anlass. Sardinen, Dorade, Tintenfisch und Bacalhau kommen in Portugal auf den Tisch wie hier das Schnitzel. Deshalb steht Fisch auf den Mittagskarten des Viertels zu Preisen, die in einem deutschen Fischrestaurant zwei Straßen weiter undenkbar wären.
Die Karten wechseln täglich. Viele Küchen im Viertel kochen nach dem Prinzip prato do dia, dem Gericht des Tages: eine Handvoll Gerichte, morgens entschieden, mittags aufgetischt. Genau das, was auf lunch.ninja als Tageskarte landet.
Es ist zu Fuß erreichbar. Von den Büros in der Neustadt, vom Rödingsmarkt, von der HafenCity über die Brücken und von den Landungsbrücken ist die Straße in zehn Minuten erreicht. Das macht sie mittags voll und nachmittags ruhig.
Lesehilfe für die Mittagskarte
Portugiesische Mittagskarten sind kurz, aber sie sind portugiesisch. Die Begriffe, die am häufigsten auftauchen:
- Sardinhas grelhadas: gegrillte Sardinen, klassisch mit Salzkartoffeln und Salat. Ganze Fische, mit Gräten, das ist so gewollt.
- Bacalhau: Stockfisch, in Portugal das Nationalgericht in hundert Varianten. À Brás (mit Ei und Strohkartoffeln), com natas (mit Sahne überbacken), à lagareiro (mit Olivenöl und Ofenkartoffeln).
- Pescada: Seehecht, oft in Tomatensoße oder paniert. Der milde Einstieg, wenn Sardinen zu viel Fisch sind.
- Carne à portuguesa oder à alentejana: Schweinefleisch mit Würfelkartoffeln, in der Alentejo-Variante mit Muscheln.
- Caldo verde: Kohlsuppe mit Kartoffel und Chouriço, das erste, was auf einer Vorspeisenkarte steht.
- Bochechas de vitela oder de porco: geschmorte Kalbs- oder Schweinebäckchen in Rotwein. Das Gericht, für das man länger bleibt.
- Tortilha de legumes, Ratatouille, Caril de grão: die vegetarischen Gerichte, die auf besseren Karten des Viertels stehen. Wer vegan sucht, findet meist ein Kichererbsen-Curry oder gegrilltes Gemüse; nachfragen lohnt sich.
- Pastel de nata: Das Blätterteigtörtchen mit Puddingfüllung zum Espresso danach. Nicht auf der Mittagskarte, aber Teil des Mittags.
Kleine Regel für Fischgerichte: Wo „Preis nach Gewicht“ oder „Tagespreis“ steht, ist es der Abendfisch; der Mittagstisch hat feste Preise.
Wann und wie
Die Mittagszeit im Viertel läuft von etwa 11:30 bis 15:00 Uhr, einige Häuser bis 16:00. Zwischen 12:30 und 13:30 Uhr ist die Straße voll; wer um 12 Uhr kommt, hat die Terrasse für sich. Im Sommer sitzen die Restaurants zu beiden Seiten der Straße draußen, und ein Mittag dort ist der billigste Portugal-Urlaub der Stadt.
Portugiesische Küche gibt es auch außerhalb des Viertels: In OpenStreetMap tragen 26 Hamburger Restaurants den Küchen-Tag „portuguese“, ein Schwerpunkt liegt in St. Georg. Der Filter auf der Karte findet sie, sobald sie ihre Mittagskarte melden.